Unsere Mitschüler*innen Kirill Pylypenko und Valeria Zhukova sind vor einiger Zeit aus dem Krieg in der Ukraine geflohen. Wir wollten wissen, wie es den Beiden hier bei uns am Maxe geht und konnten interessante Interviews führen. Wie meistern sie den Schulalltag? Wie sieht ihr Leben in Deutschland aus? Und Wie ist Schule in der Ukraine? Wenn auch ihr neugierig geworden seid, lest gerne einfach weiter! 🙂
Kirill
Wie heißt du? Wie alt bist du? In welche Klasse gehst du? Woher kommst du? Und wie genau hat es dich hierher verschlagen?
—> Ich bin Kirill, 13 Jahre alt und gehe in die 8a. Ich komme aus Dnipro in der Ukraine.
Meine Mutter hat hier in Deutschland eine Familie von Freiwilligen gefunden, die uns einen Raum gegeben hat.
Inwiefern hast du noch Kontakt in die Ukraine?
—> Ich habe noch Kontakt zu meiner Oma, meinem Opa und meinem Vater. Ich telefoniere mit Ihnen.
Wie hast du dich eingelebt? Fühlst du dich willkommen?
—> Das Leben hier fühlt sich sehr perfekt an und ist sehr interessant. Ich fühle mich willkommen, weil ich Deutsch sehr gut verstehe und normal sprechen kann. Natürlich nicht so gut wie deutsche Personen, aber gut.
Hast du Freunde gefunden?
—> Ich habe nicht so viele Freunde, weil es zu schwer ist, Freunde zu finden. Auch in der Straße, in der ich wohne, ist es schwer, Freunde zu finden.
Wie findest du die Willkommensklasse in der Schule?
—> Die Willkommensklasse ist die beste Variante für mich, Deutsch zu lernen. Ich finde den Unterricht sehr gut, aber ich würde mir wünschen, mehr Spiele zu spielen, um besser zu lernen.
Kommst du mit Sprachbarrieren zurecht?
—> Für mich ist das okay, weil ich dann versuche, mich anders zu verständigen. Es ist kein Problem, weil ich sage, dass ich schlecht Deutsch kann, weil ich neu in diesem Land bin. Und es ist einfach für mich, ich bekomme keine Panik.
Wie lange lernst du schon Deutsch? Welche Sprachen kannst du sonst noch sprechen?
—> Ich lerne Deutsch seit zwei, vielleicht drei Jahren. Ich weiß nicht genau. Ich kann noch Ukrainisch, Russisch und Englisch sprechen. Außerdem lerne ich Spanisch und Polnisch, das alles.
Welche Unterschiede fallen dir zwischen der Schule in der Ukraine und in Deutschland auf?
—> In unserer ukrainischen Schule haben wir so viele Hausaufgaben und so weiter, aber in der deutschen Schule haben wir weniger Hausaufgaben. Zudem haben wir hier mehr Toiletten und eine Cafeteria. Das finde ich gut.
Wie ist das ukrainische Bildungssystem und welches Schulsystem gefällt dir besser: Schule in Deutschland oder Schule in der Ukraine?
—> An deutschen Schulen haben wir ein Sekretariat, das ist anders. Wir haben an den ukrainischen Schulen keine Sportmannschaft oder Sport-AGs, aber an der deutschen Schule gibt es diese Angebote.
Wir haben in der ukrainischen Schule einen „Treffpunkt“ (Sanitäter), aber in deutschen Schulen gibt es das nicht immer. Das könnte ein Problem an deutschen Schulen sein, aber ich finde das nicht so schlimm.
Wie hat sich das Schulleben in der Ukraine seit Kriegsbeginn verändert? Bzw. wie war dein Schulalltag in der Ukraine?
—> Ich war z.B. oft sehr müde, weil es sehr viel Unterricht gibt. Ich bin meistens gegen 15.00 Uhr nach Hause gegangen. An unserer deutschen Schule gehe ich jetzt gegen 13:00 Uhr nach Hause. Das tut mir sehr gut. Ich weiß nicht, wie ich das weiter erklären soll. Ich mag die deutsche Schule mehr.
Willst du später in die Ukraine zurück?
—> Nach Kriegsende fahre ich mit meiner Mutter zu meiner Familie in die Ukraine. Aber ich möchte dann später in Deutschland zur Universität gehen und lernen, weil hier bessere Lernmöglichkeiten sind.
Valeria
Wie heißt du? Wie alt bist du? Und in welche Klasse gehst du? Woher kommst du und wie genau hat es dich hierher verschlagen?
—> Ich heiße Valeria. Ich bin 14 Jahre alt und gehe in die 9. Klasse. Ich komme aus der Ukraine und zuerst war ich in einem Flüchtlingslager, dann haben meine Eltern eine Wohnung in Delmenhorst gefunden.
Inwiefern hast du noch Kontakt in die Ukraine?
—> Manchmal telefoniere ich mit meinen Großeltern, aber seit einem Jahr war ich nicht mehr in der Ukraine.
Wie hast du dich in Deutschland eingelebt am? Und fühlst du dich willkommen?
—> Ich habe mich gut eingelebt und fühle mich willkommen hier.
Hast du Freunde in Deutschland gefunden?
—> Ja, aber nur Freunde, die auch aus der Ukraine kommen, weil es schwierig für mich ist, Deutsch zu sprechen.
Wie findest du die Willkommensklasse in der Schule?
—> Ich finde die Willkommensklasse gut für mich, weil ich Ukrainisch mit meinen Mitschüler*innen sprechen kann und wir zusammen Deutsch lernen.
Wie kommst du mit Sprachbarrieren zurecht?
—> Ich kann Deutsch gut verstehen, aber manchmal habe ich Probleme, zu antworten bzw. Deutsch zu sprechen. Dann spreche ich z.B. Englisch.
Wie lange lernst du schon Deutsch und welche Sprachen sprichst du noch?
—> Ich lerne Deutsch seit letztem Jahr. Ich kann Ukrainisch, Russisch, Englisch und eben ein bisschen Deutsch sprechen.
Welche Unterschiede fallen dir zwischen der Schule in der Ukraine und der Schule in Deutschland auf?
—> Das ist eine schwierige Frage. In der Ukraine ist vieles anders. Es gibt viele Unterschiede, vor allem das Verhältnis zwischen Schüler*innen und Lehrkräften ist anders. In Deutschland besteht eine gewisse Distanz und „Höflichkeit“. Außerdem gibt es hier mehr Fächer, z.B. Politik oder Werte und Normen. In der Ukraine haben wir diese Fächer nicht in der Schule.
Wie ist das Ukrainische Bildungssystem und welches Schulsystem gefällt dir besser? Schule in Deutschland oder in der Ukraine?
—> Ich finde das Deutsche Schulsystem besser, weil es nach der Schulzeit so viele Möglichkeiten gibt und ich z.B. eine Ausbildung machen kann. In der Ukraine ist ein Schultag auch länger.
Willst du später zurück in die Ukraine?
—> Nein, weil es jetzt in der Ukraine sehr gefährlich ist. Hier habe ich mehr Perspektiven als in der Ukraine.
Interview: Selina Wirz, Anna Hanzii und Nike Fehrmann (Jahrgang 12)